Autismus, Bolsonaro und Klimawandel – mehr Autisten in der Politik

Würden Autisten in der Politik anders handeln? Diskussion am Beispiel der Klimakrise.

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel über Bolsonaro (den brasilianischen Präsidenten) und den Klimawandel gelesen, der mir zu denken gab. Ja genau, es geht um den Bolsonaro, der den Amazonas als eine mehr oder weniger unnütze Landschaft betrachtet und ihn am liebsten von heute auf morgen abbrennen würde. Der hatte nämlich im letzten Jahr eine interessante Idee, die kurz durch die Medien ging und dann nie wieder besprochen wurde. Er – oder besser sein Wirtschaftsminister Paolo Guedes – schlug vor, dass Brasilien für den Sauerstoff, den der Amazonas nun mal produziert, doch eigentlich Geld verlangen könnte. (Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000106758657/brasilien-plant-offenbar-fuer-amazonas-sauerstoff-weltweit-geld-zu-verlangen)

Von der (Umwelt)potitik zur Neurodiversität ist es zwar inhaltlich ein weiter Schritt, trotzdem kann man aber eine Verbindung herstellen: Wahrscheinlich wäre es notwendig mehr Autisten in die Politik zu bringen, denn die „normalen“ neurotypischen Menschen, haben Bolsonaros Vorschlag wohl durch die Bank abgelehnt, bzw. ihn wohl nicht mal in Erwägung gezogen oder in die Diskussion aufgenommen. Boslonaro, das ist ein „Böser“, mit dem reden wir erst mal gar nicht. Am Ziel (Weniger CO2 in der Atmosphäre) geht das aber zu 100% vorbei. Hätten autistische Politiker auch so gehandelt? Ich glaube nein.

Neurodiverse Menschen vs. neurotypische Menden in der Politik

Prinzipiell hört man ja leider immer wieder, dass neurotypische Menschen „richtig“ wären, während alle anderen (also konkret dann natürlich alle nicht-neurotypischen) „falsch“, „behindert“ oder „therapiebedürftig“ wären. Neurotypische Entscheidungsmuster wären einfach die besseren. Angeblich. Eventuell ist es aber genau umgekehrt. Warum? Ich versuche es mal zu erklären.

OK. Bolsonaro ist jetzt so überhaupt nicht der Politiker, dem ich irgendwie in irgendeinem Punkt vertraue. Aber er hat in diesem, einen Fall genau den wunden Punkt getroffen: Nachdem der Norden seine Wälder bereits abgeholzt hat, will er jetzt dem Süden vorschreiben, was dieser mit seinen eigenen Wäldern zu tun hätte. Und das was der Süden zu tun hat, sollte möglichst gratis erfolgen, weil der Amazonas ja sehr schön und schützenswert ist.

Die Kritik ist aber – auch wenn sie nun mal von Bolsonaro stammt – schlicht und einfach richtig. Würden die Industriestaaten für den Sauerstoff, den sie derzeit ja gratis erhalten, zahlen, dann wären die Brände und die Rodungen in Amazonien sehr schnell beendet. Mir persönlich wäre das ziemlich egal unter welcher Etikette das Abholzen gestoppt würde. Wenn es halt über den Verkauf von Sauerstoff geht, dann halt so.

Wir sehen also, dass Politiker, denen ich jetzt mal unterstelle neurotypisch zu sein, mehrere Dinge machen:

  1. Wer überhaupt in der Politik was sagen darf, wird nach Gutsherrenart definiert. Bolsonaro ist „böse“, also darf man mit ihm auch nicht sprechen, wenn er mal was Interessantes sagt.
  2. Fakten, wenn sie unliebsam sind, werden ohnehin ignoriert.
  3. Stattdessen werden „moralische“ Argumente“ genutzt.

Zuerst zur Politik allgemein:

Um welche Halbwahrheiten geht es denn eigentlich? Welche Themen werden in der Politik quasi kontinuierlich übersehen? Warum ist das eigentlich so?

  1. Die gesamte umweltpolitische Debatte findet ja nicht unbedingt auf Augenhöhe statt. Während der globale Norden ja seine Wälder zum Großteil bereits im Zuge der Industrialisierung abgeholzt hat, wird jetzt Staaten wie z. b. Brasilien der Schutz des Regenwaldes „verordnet“.
  2. Auch nicht gerade auf Augenhöhe ist ohnehin die gesamte Vorgeschichte der Umweltproblematik, also Kolonialismus und der damalige Raubbau an Natur und Bodenschätzen. Da würde ich eher von einer westlichen „Bringschuld“ der Wiedergutmachung reden. Wobei es auch nicht hilft, als wäre „früher“ alles perfekt gewesen und dann kamen die bösen Europäer.
  3. Allerdings sind wir heute (glücklicher Weise) nicht mehr im Zeitalter des Kolonialismus. Trotzdem hat sich die Lebensrealität z. B. in Afrika nicht wirklich so sehr gewandelt, wie man vermuten sollte, und ein ganzer Kontinent wird mehr oder weniger als billige Rohstoffquelle oder kostengünstige Mülldeponie genutzt. Je nach dem, was man gerade benötigt.
  4. Wird aber im globalen Süden produziert, ist die Produktion häufig für den Norden bestimmt und die Bevölkerung vor Ort hat eher weniger davon, weil die Produkte ja billig exportiert werden. Soja und Rindfleisch aus Südamerika sind da bekannteste Beispiele, die Produktion in Sweatshops fällt ebenfalls in diese Kategorie.
  5. Eine andere Variante wie global Ungleichgewicht hergestellt wird, ist, dass man im Norden aus ökologischen Gründen bestimmte Dinge nicht mehr tut und sie einfach in den Süden auslagert. So sind z. B. alleine in den USA in den letzten Jahren 5 Minen für Seltene Erden geschlossen worden, weil die ökologischen Standards dort zu hoch sind um diese Minen rentabel betreiben zu können. Da aber ohne Seltenen Erden weder Smartphones noch Elektromobilität möglich ist, macht jetzt halt China die Drecksarbeit.

Und jetzt der Zusammenhang zwischen Politik und Neurodiversität

Das was ich bis jetzt beschrieben habe (also Problemanalysen zu tätigen und dabei konsequent Faktoren aus zu klammern, die einem nicht gefallen.) ist eine Vorgangsweise, die neurotypische Menschen immer wieder machen. In der Psychologie gibt es eine Reihe von Bezeichnungen dafür. Verdrängen ist ein gerne genutzter Begriff der von Freudianern genutzt wird, bei C.G. Jung findet man dagegen den Beriff des Schattens. Aber wie auch immer man das jetzt auf einer psychologischen Ebene bezeichnen mag: Es ist schlicht und einfach eine Mogelpackung, ein Fehler eine Fehlleistung. Von neurotypischen Menschen wohlgemerkt!

Interessanter Weise ist es aber so, dass gerade Autisten (also genau die, die angeblich Probleme haben) viel weniger anfällig für solche Mogelpackungen sind. Wir sehen das Thema dann nämlich ziemlich rational. Im Falle von Bolsonaro und dem Amazonas wäre das dann ungefähr so:

  1. Wenn wir weniger CO2 in der Atmosphäre haben wollen gibt es einige, wenige Optionen:
    – CO2 einsparen
    – CO2 in O2 umwandeln
  2. Umwandeln kann man mittels Maschinen (die aber noch nicht erfunden sind) oder durch Baumpflanzungen.
  3. Für beides gibt es Rechenmodelle um die Rahmenbedingungen (Effizienz, Kosten, Dauer bis zum Einsatz…) zu definieren
  4. Der Amazonas-Regenwald wandelt jährlich XY Tonnen CO2 in O2 um
  5. Wir haben einen Preis über den wir mit Bolsonaro sprechen können

Fazit:

Meiner Meinung nach wäre es nicht falsch, wenn auch mehr Menschen mit autistischen Diagnosen in der Politik wären. Ich nehme an, dass wir ein deutlich höheres Niveau an Wahrheit hätten. Mit Sicherheit hätten wir weniger „Mogelpackungen“, und mehr qualifizierte Aussagen. Wahrscheinlich währen es zwar staubtrockene, tendenziell langweilige Aussagen, aber es geht ja in der Politik eigentlich nicht um Show, sondern wir wollen ja Themen bearbeiten. Das meine ich als Asperger jedenfalls. Wer ist jetzt also „normal“?

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