Autismus in anderen Kulturen

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Vor einiger Zeit habe ich einen sehr interessanten Text in Psycology Today über Autismus in anderen Kulturen gelesen. Konkret geht es in dem Text um Polynesische Seefahrer, die ohne Karten Distanzen von mehreren 1000 Kilometern zurück legen und Schiffe punktgenau zu einem gewünschten Ziel steuern können. Der Autor des Artikels (John Elder Robison, selbst Autist und ein bekannter Buchautor über Autismus) geht davon aus, dass diese Navigatoren hochfunktionelle Autisten sind.

Webeanzeige WebdesignUrprünglich war es das Ziel von John Elder Robison aufgrund einer bevorstehenden Reise nach Hawai Informationen über Autismus in Hawai zu suchen. Dabei stieß er auf Videos über einen heute lebenden Navigator mit dem Namen Piailug. Der Mann, der ein kleines Kanu über 2.500 Meilen von Haiti nach Hawai steuerte, ohne dabei weitere Hilfsmittel zu benutzen, ist ein hochangesehnes Mitglied seiner lokalen Community und in keinerlei Hinsicht „zurückgeblieben“ oder „behindert“. Er hat diese Tätigkeit von seinem Großvater gelernt und steuert mit dieser Technik seit ca. 25 Jahren Schiffe.

[…]When I watched the videos, I saw many signs of the broad autism phenotype in Piailug’s speech, expressions, and behaviour. He did not look at the person he was speaking to, or the camera. He looked down almost all the time. He spoke in a near monotone with a pattern of prosody I’ve learned to associate with autism. When he spoke, his eyes and upper face were generally devoid of animation, and he seldom displayed large expressions. He also had the flat affect that is common to autistic speakers. To a trained eye, those were all signs of autism. Yet, the films did not depict a disabled man. They showed an exceptional man telling his story for an appreciative listener. […]

Robinson geht davon aus, dass bestimmte autistische Eigenschaften (eidetisches Gedächtnis und Hochsensibilität für Umweltfaktoren) es Pailug ermöglichen, diese Leistung zu vollbringen. In einer Diskussiuon über den Artikel auf Wronplanet zog daher auch eine Userin (die übrigens auch auf den Artikel verlinkte) eine Parallele, zu den mathematischen Genies, die im Silicon-Vally oder auf Universitäten Sonderleistungen vollbringen.

Wenn man an die großartigen Leistungen von Pailug denkt, stellen sich natürlich einige Fragen: (Mir zumindest geht es so.) Ich frage mich, ob Autismus nicht eine seltene, aber in alten Gesellschaften überlebensnotwendige Funktion hat. Robinson beschreibt Pailug als vollkommen integriert, selbstsicher und aktive. Keine Spur einer „Behinderung“. Die ursprünglichen Polynesier waren ja auch ständig auf Menschen mit seinen Qualifikationen angewiesen. Warum sollte er also als „behindert“ betrachtet werden?

Das Problem dabei, warum Autisten heute eher als Problemfälle wahrgenommen werden, (Und darauf geht der Artikel auch kurz ein.) sind unsere Schul- oder Bildungssysteme. Die machen es Menschen mit diesen speziellen Qualitäten nicht möglich ihre Fähigkeiten entsprechend ihren Möglichkeiten zu entwickeln. Viel häufiger werden sie als „behindert“ betrachtet.

Ein Kaktus ist aber nun mal in einem Sumpf auch irgendwie „behindert“, denn er ist nicht in der Umgebung, die er benötigt. Er ist nicht „krank“, weil er knietief im Wasser steht. Er ist schlichtwegs am falschen Ort.

Hier geht es zum Artikel: https://www.psychologytoday.com/us/blog/my-life-aspergers/201702/autism-in-the-south-pacific-different-way-seeing

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